Dieses Video macht ja derzeit die Runde (z.B. via lerman). Ich habs mir jetzt also endlich mal angeschaut und es gibt zwei Dinge, die ich bemerkenswert finde:
Nein, das ist kein weiteres iPad-Bashing.
Vorweg ein paar Fakten:
Mein erster Apple war ein All-in-one-Performa. Für mein Empfinden damals (ist ja schon rund 16 Jahre her) ein guter Computer.
Ich habe schon viele Macs geleast, gekauft und wieder verkauft – manche hab ich sogar noch. Ich war immer von der Qualität und vom “Gesamtpaket” überzeugt. Und in der Tat hatte ich nie ernste Probleme – ok, einmal mit einem Desktop bei dem das Board kaputt war… ging aber auch vorüber.
Ich habe also miterlebt wie aus einem “elitären” Hard- und Softwareanbieter ein Hersteller für Consumer-Produkte wurde. Dabei gab es Phasen in denen der professionelle Teil extrem vernachlässigt wurde – ich sage da nur “Power Macintosh 9600″ und die G3-Lücke. Und Phasen in denen alles irgendwie ganz gut gelaufen ist.
Apple lebt m.E. auch nur noch deshalb, weil der iPod so ein Renner war und ist. Andernfalls hätte hier vielleicht auch Oracle zuschlagen müssen ;-)
Ich hatte nie einen Newton. Das war ein bisschen “vor meiner Zeit”. Ich hatte aber sehr lange einen Wunsch ein Mobiltelefon zu besitzen welches 100% ohne Probleme meine Kalender und mein Adressbuch synchronisieren kann. Es gab nichts. Deshalb war mein Handy vor dem iPhone ein Siemens S55 – das war ein Sprung vor knapp 2 Jahren. (Das S55 hab ich übrigens immer noch.)
Wir nähern uns jetzt langsam dem Problem:
Es ist klasse wie oft ich es mir spare meinen Laptop anzuschalten um Nachrichten, eMails oder sonstige Infos zu lesen. Ab und an tippe ich sogar etwas darauf. Es spart Zeit und es frisst Zeit. Wie das nunmal mit solchen Dingen ist.
Das iPhone ist eine DRM-Hölle im Handflächenformat. Aber das macht mir seltsamerweise kaum etwas aus. Die kleinen Aufgaben die ich darauf erledigen möchte, kann ich auch erledigen. Für alles andere habe ich mein MacBook Pro mit BBedit, Firefox (inkl. einer Vielzahl an Add-ons), Mail.app mit GPG-Plugin, VLC, einer echten Shell, etc.
Und jetzt kommt das iPad (oder “der iPad”?): ein grosses iPhone ohne das Phone.
Natürlich ist das Interface elegant. Es ist auch einfach zu bedienen und wenn es nur halb so cool wäre wie das iPhone, wäre es trotzdem noch besser als so vieles andere. Es ist aber nicht das Produkt “zwischen Smartphone und Laptop”. Jedenfalls nicht für den gesamten Markt. Es ist nach meiner Meinung ein 100%iges Consumer-Produkt. Das ist absolut legitim – bitte nicht falsch verstehen.
Und was genau fehlt mir?
Ich könnte diese Liste noch weiterführen. Sie würde aber auch nur auf ein Problem zeigen: Der App-Store und das ganze DRM-Paket das man sich damit einhandelt.
Das mag zwar Sicherheit vor Viren oder Trojanern bringen (und nicht einmal das ist gewährleistet). Es macht aber auch komplett abhängig – von Apple. Der Aufnahmeprozess in den App-Store ist undurchsichtig und träge. Er blockiert schnelle Updates genauso wie eine grosse Zahl an OpenSource-Software.
Und wer heute noch DRM für gut findet, der hatte wohl noch nie ein Gängelungsproblem als zahlender Kunde erlebt; und auch nicht verstanden wie stark dies in die persönlichen Freiheiten eingreift.
Ich hätte mir ein Gerät gewünscht das ein bisschen weniger auf Consumer und ein bisschen mehr auf einen professionellen Einsatz ausgerichtet ist. Aber vielleicht kommt es ja noch. Bis dahin bin ich zufriedener Nutzer von MacOS X, das trotz Multitasking (*) wunderbar stabil läuft (wie meine Debian-Rechner im übrigen auch).
*: Stephen Fry lässt sich hier ein bisschen über “old world” und “new world” aus. Und er sagt ja selbst das nicht alles nur schwarz und weiss ist. Ich sehe das teilweise sehr ähnlich – man muss ein bisschen abwarten und sehe wie sich das weiter entwickelt.
Tags: Apple, Arbeitsplatz, iPad
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